Was bedeutet eigentlich „Slam“?
Der Begriff „Slam“ ist ein verbales Chamäleon. Er stammt ursprünglich vom altnordischen Wort slambra ab und meint so viel wie zuschlagen oder mit Wucht auftreffen. Schon daran merkt man: Sanft ist anders. „Slam“ steht fast immer für Energie, für einen Moment mit Druck, Lautstärke oder Nachhall.
Im Englischen taucht das Wort in ganz unterschiedlichen Zusammenhängen auf. Im Kartenspiel bezeichnet ein Slam einen besonderen Stich, im Sport einen krachenden Treffer, einen Aufschlag oder sogar einen Triumph. Auch Geräusche werden so beschrieben – etwa wenn etwas heftig zuschlägt, geworfen wird oder mit voller Wucht aufkommt. Selbst verbal kann man slammen: eine scharf formulierte Kritik, ein kompromissloses Statement, eine klar vorgetragene Überzeugung.
Im amerikanischen Slang bekommt der Begriff noch weitere Bedeutungen. Ein „Slammer“ kann jemand sein, der im Gefängnis sitzt – oder, je nach Kontext, ein besonders ausgefallener Cocktail. Widersprüchlich, roh, verspielt: Der Begriff schillert und wechselt ständig seine Farbe.
All diese Bedeutungen haben eines gemeinsam: Intensität. Kein leiser Vorgang, kein beiläufiger Moment. Genau deshalb passte der Begriff so gut, als er Mitte der 1990er Jahre mit „Poetry Slam“ verbunden wurde und plötzlich eine literarische Bewegung sowie ein neues Veranstaltungsformat bezeichnete. Während „Poetry Slam“ den Wettbewerb und die Bühne meint, steht „Slam Poetry“ vor allem für Texte, die für den Auftritt geschrieben sind – für Sprache mit Wucht, Rhythmus und direktem Effekt.