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Sport mit Worten

Spielerisch literarisch schreiben lernen im Deutschunterricht

1. Die Idee: Wortsport

Das Wort „Sport“ bedeutete ursprünglich nicht nur körperliche Bewegung. Historisch steht es auch für Spiel, Vergnügen, Zeitvertreib und kreative Betätigung. Genau an dieser ursprünglichen Bedeutung knüpft der Begriff Wortsport an.

Beim Wortsport wird nicht mit Bällen oder Geräten gearbeitet, sondern mit Sprache. Wörter werden verdreht, kombiniert, erfunden und ausprobiert. Sprache wird zum Material – und zum Spielplatz.

Im Mittelpunkt steht dabei der kreative Umgang mit Sprache: Schülerinnen und Schüler sollen erleben, dass Schreiben nicht nur eine schulische Aufgabe ist, sondern auch ein Raum für Experimente, Fantasie und eigene Ideen.

Kernidee:
Sprache wird nicht nur benutzt – sie wird gestaltet, ausprobiert und neu erfunden.

2. Warum Sprachspiele wirken

Wortspiele entstehen häufig aus Zufällen: aus Versprechern, Geistesblitzen oder überraschenden Kombinationen. Gleichzeitig lassen sich solche Momente auch gezielt hervorrufen – durch Übungen, Denkexperimente oder kreative Schreibimpulse.

Sprachspiele öffnen einen Raum, in dem Regeln ausprobiert und verändert werden dürfen. Fehler sind dabei kein Problem, sondern oft der Ausgangspunkt neuer Ideen.

Im Unterschied zum alltäglichen Sprachgebrauch stehen Wörter hier nicht im Dienst einer konkreten Information. Sie werden zu ästhetischem Material, mit dem man experimentiert.

3. Formen des Wortspiels

Klangspiele

Hier steht der Sound der Sprache im Mittelpunkt.

  • Zungenbrecher
  • Reime
  • Wortbeats
  • Monovokaltexte
  • lautmalerische Wörter

Sinnspiele

Hier wird mit Bedeutung experimentiert.

  • Paradoxien
  • absurde Aussagen
  • Wortneuschöpfungen
  • veränderte Sprichwörter
  • Zufallssätze

Mischformen

Klang und Bedeutung wirken zusammen.

  • Mehrdeutigkeiten
  • Kofferwörter
  • Schüttelreime
  • Assonanzen
  • poetische Bilder

Visuelle Sprachspiele

Hier funktioniert Sprache über ihr Erscheinungsbild.

  • typografische Experimente
  • grafische Wortspiele
  • visuelle Gedichte

4. Übersicht der Unterrichtseinheit

Zielgruppe: Klassenstufen 7–12

Die Unterrichtseinheit fördert den spielerischen Umgang mit Sprache. Verschiedene Wortspieltypen ermöglichen es den Lernenden, eigene Ausdrucksformen zu entdecken und literarisches Schreiben auszuprobieren.

Die Schülerinnen und Schüler experimentieren mit:

  • Wortbildung
  • Klang
  • Bedeutung
  • Rhythmus
  • Erzählformen

Die entstandenen Texte können am Ende der Einheit präsentiert werden.

5. Intentionen und Lernziele

Beim Wortsport erleben Lernende ihre eigene Gestaltungsfreiheit. Sie können Ideen entwickeln, Regeln ausprobieren und bei Bedarf bewusst brechen.

Gleichzeitig lernen sie grundlegende Werkzeuge literarischen Schreibens kennen – etwa Rhythmus, Bildsprache oder dramaturgische Strukturen.

Lernchancen:
  • Kreativität und Ausdrucksfähigkeit stärken
  • Freude am Schreiben entwickeln
  • Bewusstsein für Sprache und Wirkung schärfen
  • Selbstbewusstsein beim Präsentieren eigener Texte aufbauen

6. Organisation des Unterrichts

Die Unterrichtseinheit kann sowohl im Präsenzunterricht als auch digital umgesetzt werden.

Schreibphasen können auf Papier oder mit digitalen Texteditoren stattfinden. Besonders hilfreich ist ein Wechsel zwischen:

  • gemeinsamen Austauschphasen
  • Teamarbeit
  • individuellen Schreibzeiten

Ein kleines Schreibheft im A5-Format kann zusätzlich motivierend wirken: Die Seiten sind schnell gefüllt und laden zum kreativen Gestalten ein.

7. Unterrichtsverlauf

7.1 Einstieg – Warmschreiben

Zum Einstieg wird mit kurzen Schreibübungen gearbeitet. Ziel ist es, in einen kreativen Modus zu kommen und den Alltagssprachgebrauch hinter sich zu lassen.

Beispiele:

  • „Das Unmögliche denken“ – unmögliche Aussagen formulieren [Beispiele hier]
  • „Was wäre, wenn …“ – ungewöhnliche Situationen als Ausgangspunkt für Geschichten [Beispiele hier]

7.2 Sprachspiele

In dieser Phase werden unterschiedliche Wortspieltypen ausprobiert. Dabei entstehen kurze Texte, Gedichte oder spontane Wortexperimente.

Beispiel:
1. Finde drei Wörter, die sich durch Vokalwechsel verändern lassen!
2. Formuliere daraus einen Satz. Achte dabei vor allem auf den Klang.

Lösungsbeispiele:

  • Leben | Lieben | Loben | Lauben
    ==> Das Leben in Lauben wollen wir loben und lieben!
  • Stimme | stumme | stamme/Stamme | stemme
    ==> Ich stamme vom Stamme der stummen Stimme.
  • Boss | Bus | Bass | Biss/bis/bist | (best) | (baust) | (beißt)
    (Die Einzel- bzw. Doppelkonsonanten bewirken keinen Unterschied im Klang.)
    ==> Du denkst, du bist der Boss im Bus, du hast den besten Bass.
  • Last | Lust | List | lost
    ==> Vor lauter Last, vor lauter Lust, vor lauter List fühl' ich mich lost.
  • Wort | Wert | wird
    (Das 'd' wird als Abweichung toleriert, weil es (fast) keinen Unterschied im Klang darstellt.)
    ==> Wort wird Wert!

7.3 Schreiben eigener Texte

Die Schülerinnen und Schüler entwickeln aus den Übungen eigene Texte – Geschichten, Gedichte oder performative Texte.

7.4 Überarbeitung

Texte können anschließend überarbeitet werden, etwa durch:

  • Kürzen und Verdichten
  • Perspektivwechsel
  • Veränderung der Zeitstruktur

8. Poetry Slam als Abschluss

Am Ende der Einheit kann eine Präsentation der Texte stehen – zum Beispiel in Form eines Poetry Slams.

Dabei können verschiedene Rollen übernommen werden:

  • Poetinnen und Poeten
  • Moderation
  • Technikteam
  • Publikum

Je nach Situation kann die Präsentation innerhalb der Klasse stattfinden oder als größere Veranstaltung organisiert werden.

Wichtig:
Der Schwerpunkt liegt auf dem gemeinsamen Erlebnis und der Freude an Sprache – nicht auf Wettbewerb.

9. Material und Übungen

Warmschreiben

Das Unmögliche denken

Formuliere fünf Sätze, die eigentlich unmöglich erscheinen – aber vielleicht doch denkbar sind. [Beispiele hier]

Was wäre, wenn …

Stell dir eine ungewöhnliche Situation vor und schreibe dazu eine kurze Geschichte oder ein Gedicht. [Beispiele hier]

Klangspiele

Zungenbruch

Erfinde einen möglichst komplizierten Zungenbrecher. [Beispiele hier]

Monovokaltext

Schreibe einen Text, in dem nur ein einziger Vokal vorkommt.
Beispiel: 'Du fluchst! - Gudrun schubst uns 'rum!' (Sebastian 23)

Sinnspiele

Master-Motive

Nimm ein klassisches Motiv (z. B. Liebe, Rache oder Abenteuer) und erzähle eine neue Geschichte dazu.

Pathosmaschine

Nutze einen zufällig generierten Titel als Ausgangspunkt für eine Geschichte oder ein Gedicht. [Beispiele hier]

Als die Welt lebendig wurde

Lass einen Gegenstand lebendig werden und schreibe eine Geschichte aus seiner Perspektive. [Beispiele hier]