2000 – Anerkennung im Literaturbetrieb
Slam auf Traditionsfestivals
Beim Festival Lyrik am Lech in Landsberg erkennt erstmals ein großes deutsches Literaturfestival die Anziehungskraft von Poetry Slams. Ko-organisiert von Ko Bylanzky und Rayl Patzak, stehen Slam- und Spoken-Word-Abende im Mittelpunkt.
Meisterschaften und Medien
Der US-National Poetry Slam in Providence bringt 56 Teams zusammen. Das Finale wird live im Fernsehen übertragen.
In Düsseldorf findet der vierte deutsche National Slam statt. Jan Off gewinnt den Einzeltitel, Aachen die Teamwertung. Der WDR begleitet die Veranstaltung medienwirksam.
2001 – Internationale Expansion und literarische Anerkennung
Slam und Hochkultur
Bei der BR-Lyriknacht in der Münchner Muffathalle erhält Slam einen eigenen Programmblock. Der Bayerische Rundfunk überträgt vier Stunden live.
Ein starkes Signal setzt Michael Lentz, der 2001 mit Muttersterben den Ingeborg-Bachmann-Preis gewinnt.
German International Poetry Slam
Der deutsche National Slam in Hamburg wird in German International Poetry Slam (GIPS) umbenannt. 80 Poeten aus 29 Städten treten an.
Sebastian Krämer gewinnt den Einzelwettbewerb, im Team siegt erstmals die Schweiz.
Def Poetry Jam
Zum Jahresende startet auf HBO die Def Poetry Jam Show, moderiert von Mos Def. Spoken Word erreicht damit ein weltweites Fernsehpublikum.
2002 – Institutionen, Bildung und Open Air
Internationale Invasion
2002 ist geprägt von intensiven internationalen Touren. Zahlreiche US-Slammer prägen die deutsche Szene. Selbst Marc Kelly Smith kehrt noch einmal auf deutsche Bühnen zurück.
Neue Formate und Bildungsarbeit
In München startet Rayl Patzak die Clubnacht Watch da Poem, Dance da Poem. Gleichzeitig kuratiert Ko Bylanzky im Literaturhaus München die Reihe bewegungsfreiheit.
Der GIPS findet erstmals außerhalb Deutschlands in Bern statt. Lasse Samström gewinnt sowohl Einzel- als auch Teamtitel.
2003 – Theater, Europa und politische Dimension
Slam im Theater
Mit Poetry – Dead or Alive an den Münchner Kammerspielen etabliert sich Slam endgültig auf der Theaterbühne.
Europäische Präsenz
Beim US-National Slam in Chicago wird erstmals ein European Showcase integriert. Der Schweizer Jürg Halter gewinnt den Hip-Hop-Slam.
Internationale Anerkennung
Mit Unterstützung des Goethe-Instituts finden erstmals Slam-Auftritte in Serbien und Bosnien statt.
Der GIPS 2003 in Darmstadt und Frankfurt erreicht neue Dimensionen. Sebastian Krämer gewinnt zum zweiten Mal den Titel.
2004 – Jugendformate werden sichtbar
Institutionelle Weichenstellungen im internationalen Kontext
Mit der Entscheidung von Poetry Slam Incorporated (PSI), künftig jährlich die Individual World Poetry Slam Championships (IWPS) auszurichten, wird der Wettbewerb weiter professionalisiert. Er bleibt zunächst stark nordamerikanisch geprägt. Erster Titelträger wird Buddy Wakefield.
Parallel dazu entstehen in Europa konkurrierende internationale Formate. Beim Festival Poetry International in Rotterdam werden die World Slampionships etabliert, bei denen nationale Champions gegeneinander antreten. Auch hier gewinnt Buddy Wakefield.
Slam und Theater
Die Slam-Reihe Poetry – Dead or Alive zieht in das Schauspielhaus der Münchner Kammerspiele um und ist über Jahre hinweg ausverkauft. Auch das Zürcher Schauspielhaus entdeckt Slam für sich. Im Schiffbau entsteht ein Großslam, der sich rasch zu einem der wichtigsten Formate im deutschsprachigen Raum entwickelt.
Systematisierung der Jugendformate
Die jugendbezogenen Slam-Formate werden nun systematischer.
Workshops, schulische Projekte und erste Wettbewerbe entstehen. Gleichzeitig kristallisiert sich U20 als praktikablere Altersgrenze heraus, da sie den Übergang von Schule zur offenen Slam-Szene erleichtert.
Ein wichtiger Schritt ist die Gründung der U18-Slam-Yahoo-Group durch Prof. Dr. Petra Anders. Sie dient als bundesweites Netzwerk für Lehrkräfte, Sozialarbeiterinnen, Slam-Poeten und Jugendliche.
Eigenständiger U20-Wettbewerb
Im Rahmen der deutschsprachigen Poetry-Slam-Meisterschaften findet erstmals ein eigenständiger U20-Wettbewerb statt.
Organisiert wird er von Timo Brunke und Angelika Brunke, die Workshop-Koordination übernimmt Tanja Schulz. Zahlreiche prägende Figuren der Szene leiten Workshops. Erstmals findet ein U20-Schüler-Slam statt. Lino Wirag wird erster Champion. Ein dauerhaftes Jugendfinale wird beschlossen. Gleichzeitig gewinnt Gabriel Vetter als jüngster und erster Schweizer den Einzeltitel, Tübingen holt als erste Stadt zum zweiten Mal den Teamtitel.
Parallel dazu werden erste Slam-Seminare für Lehrkräfte durchgeführt, unter anderem in Kooperation mit Bibliotheken und Bildungsinstitutionen – ein früher Schritt zur schulischen Verankerung.

