2005 – Konsolidierung und neue Medienformate
Popkulturelle Sichtbarkeit
Mit Sebastian 23, Lars Ruppel, Felix Römer und Gabriel Vetter entsteht als Smaat die erste Poetry-Boygroup. Sie persiflieren das Showbusiness, touren intensiv und prägen das öffentliche Bild von Poetry Slam im deutschsprachigen Raum nachhaltig.
Neue Medienformate
Bas Böttcher und Wolfgang Hogekamp etablieren Poetry Clips als neues Medium. Die besten Produktionen erscheinen auf DVD und zeigen Slam erstmals als vollständiges audiovisuelles Kunstereignis. Auf der DVD mit dabei u.a. Sebastian Krämer, Tracy Splinter, Claudius Hagemeister, Tanja Dückers.
German International Poetry Slam in Leipzig
Der GIPS in Leipzig wird von livelyrix ausgerichtet. Das Finale im Werk 2 zieht sich episch in die Länge. Volker Strübing gewinnt den Einzeltitel.
Erstmals treten freie Teams an. Mit Nora Gomringer, Mia Pittroff und Fivagewinnt ein solches auch das Finale. Den U20-Titel teilen sich Nadja Schlüter und Krisha Kops.

2006 – Anerkennung, Internationalisierung und strukturelle Verdichtung
Slam im etablierten Kulturbetrieb
Der deutschsprachige Poetry Slam ist 2006 endgültig im Kulturbetrieb angekommen. Gabriel Vetter, deutschsprachiger Meister von 2004, erhält als bislang jüngster Preisträger den renommierten Kabarettpreis Salzburger Stier.
Auch international gewinnt Slam weiter an Sichtbarkeit. In Frankreich veröffentlicht Grand Corps Malade sein Album Midi 20, erreicht die Spitzen der französischen und belgischen Charts und wird zum Superstar. In seinem Fahrwasser erzielen auch Künstler wie Abd al Malik oder Souleimane Diamanka hohe Verkaufszahlen.
Slam, Hochkultur und Großereignisse
Für André Hellers Artevent schreibt Bas Böttcher Texte für den Poesieautomaten von Hans Magnus Enzensberger. Zur Fußball-Weltmeisterschaft 2006 kommentiert der Automat alle 64 Spiele – ein ungewöhnlicher Brückenschlag zwischen Literatur, Technik und Massenereignis.
Internationale Wettbewerbe
Bei den Individual World Poetry Slam Championships (IWPS) gewinnt Mike McGee. Bei den World Slampionships in Rotterdam bleibt der Titel jedoch in Großbritannien und geht an Elvis McGonagall.
Festivals und europäische Vernetzung
In Augsburg öffnet mit ABC – Augsburg Brecht Connected ein Festival, das Poetry Slam programmatisch mit dem literarischen Erbe Bertolt Brechts verbindet. Unter der Kuratierung von Ko Bylanzky und Rayl Patzak wird Spoken Word drei Jahre lang zentraler Bestandteil des Brecht-Festivals. Erster Sieger wird Lars Ruppel.
Im Herbst erscheint mit Europe speaks! die erste gesamteuropäische Spoken-Word-CD, herausgegeben von Ko Bylanzky und Rayl Patzak im Verlag Der gesunde Menschenversand.
Textbox und neue Präsentationsformen
Mit der Textbox, entwickelt von Bas Böttcher und Timo Brunke, entsteht ein neues Präsentationsformat für Live-Literatur. Der schallisolierte Plexiglaskasten mit Kopfhörern wird zu einem Publikumserfolg und tourt in den Folgejahren international.
German International Poetry Slam in München
Der GIPS 2006 findet in München statt. Erstmals richtet eine Stadt den Wettbewerb zum zweiten Mal aus. Durch Halbfinalrunden erstreckt sich der Slam über vier Tage.
Marc-Uwe Kling gewinnt überraschend den Einzeltitel, das Team LSD (Volker Strübing und Micha Ebeling) siegt im Teamwettbewerb. Lara Stoll gewinnt den U20-Titel.
U20: strukturelle Weichenstellung
Auf einer von Prof. Dr. Petra Anders initiierten Burg-Tagung wird erstmals systematisch über eine bundesweite Organisation und Förderung des U20 Poetry Slam beraten.
Aus diesem Prozess entsteht der U20-Slam Berlin, getragen von einem Netzwerk aus Bildungs- und Szeneakteuren. Ziel ist nun klar formuliert: die Vorbereitung einer überregionalen U20-Meisterschaft.
2007 – Durchbruch des U20 und mediale Expansion
Poetry Slam im Fernsehen
Der WDR produziert eine Wettbewerbs-Show mit jeweils fünf Slammern pro Folge. Das Format läuft erfolgreich am späten Sonntagabend, zwei weitere Staffeln folgen.
Internationale Entwicklungen
Anis Mojgani gewinnt den IWPS-Weltmeistertitel. Nach dem Ende der World Slampionships geht der Wettbewerb in den World Cup über, der im Rahmen des französischen National Slams in Bobigny ausgetragen wird. Auch hier setzt sich Mojgani durch.
In den USA wird Danny Sherrard mit 22 Jahren jüngster U.S.-National Slam Champion im Einzelwettbewerb.
Deutschsprachige Meisterschaft in Berlin
Die deutschsprachige Meisterschaft findet 2007 erneut in Berlin statt. Ein stark verändertes Reglement sorgt für Diskussionen.
Im Finale im Admiralspalast verteidigt Marc-Uwe Kling seinen Titel vor 1800 Zuschauern. Smaat gewinnt die Teamwertung, Julian Heun den U20-Wettbewerb.
Durchbruch des U20 Poetry Slam
2007 markiert den Durchbruch des U20 Poetry Slam.
Am 8. März findet in Berlin ein erstes überregionales U20-Vernetzungstreffen statt. Am 29. Juni startet die Berliner U20-Meisterschaft im ATZE Musiktheater.
Im November wird Berlin Austragungsort der ersten deutschsprachigen U20-Meisterschaften. Mit über 50 begleitenden Workshops ist die Veranstaltung weniger reiner Wettbewerb als bundesweites Festival jugendlicher Sprachkunst.
2008 – Medienpräsenz und Differenzierung
Fernsehen und Kommerzialisierungsdebatten
Auf Sat.1 Comedy startet die Reihe Slam-Tour mit Kuttner. Sarah Kuttner porträtiert wichtige deutsche Slams. Innerhalb der Szene entfacht das Projekt Debatten über Kommerzialisierung und Fernsehformate.
Internationale Wettbewerbe
In den USA gewinnt Danny Sherrard nach dem National Slam auch die IWPS-Weltmeisterschaft.
Beim US-National Poetry Slam in Austin (Texas) wird das Regelwerk verändert. Die Individual Competition entfällt zugunsten des Teamcharakters. Sieger wird Louder Arts (New York).
GIPS in Zürich
Der German International Poetry Slam findet erneut in der Schweiz statt, Austragungsort ist der Zürcher Schiffbau. Einzel-, Team- und U20-Wettbewerb werden getrennt durchgeführt.
Über 200 aktive Teilnehmer und rund 7000 Zuschauer markieren einen neuen Größenmaßstab.
2009 – Etablierung und Bildungsöffnung
Konsolidierte Szene
Poetry Slam ist 2009 im deutschsprachigen Raum fest etabliert. Große Meisterschaften, regelmäßige Stadt-Slams und Tourformate laufen routiniert.
U20 als eigenständige Struktur
Der U20 Poetry Slam wächst weiter und wird in vielen Regionen als eigenständige Struktur mit eigenen Qualifikationswegen wahrgenommen.
Slam im Bildungsbereich
Slam-Texte und Performances werden zunehmend als zeitgenössische Literaturform genutzt, nicht mehr nur als motivierender Sonderfall.
International setzen sich Programme wie Youth Speaks weiter durch, die Slam gezielt als Empowerment- und Bildungsformat einsetzen.


